10 Jahre BauLust e.V. – BauLust feiert!

am 15. Dezember 2005,

im Kinderkulturzentrum im Kachelbau, Michael-Ende-Str. 17

 

Kunst regt an

Heike und Helmuth Hahn

Archidom Stadtlandschaft

Vogel + Schreiner Büro für Geschmack und Gestaltung

Stadtskulptur

 

Dunkle Töne locken

Heinrich Filzer Tubaspieler

begleitet musikalisch mit manchmal schrägen Tönen.

 

Papiertheater verzaubert

Johannes Volkmann umrahmt den Abend mit seinem zauberhaften Papiertheater.

 

10 Jahre BauLust - immer noch Visionen?

Vision ist keinesfalls die Lösung eines Problems, schon gar keine Formel, sondern eher der Versuch allem Streben und Bemühen eine Richtung zu geben. Im Idealfall entsteht ein Sog, der auch nicht abgesprochene, nicht gesteuerte Initiativen in eine synergetische Bewegung einreiht; so wird Transparenz genutzt für Engagement aller Art.

 

Unsere Stadt hat sich von einer Schutzgemeinschaft in eine Erlebniswelt entwickelt, deren Angebote es zu entwickeln gilt. Der Erlebnisunternehmer Disney Corporation, Erfinder und Betreiber der Disney-Parks, hat sich auch diesem Thema angenommen und eine komplette Stadt, "Celebration City" im Stile der 40er Jahre gebaut, mit Läden, Schulen, allem was dazugehört - auch eine Vision?

 

Kann sich in Zukunft jeder von uns aussuchen in welchem "Zeitkleid" er sein Leben verbringen will?

 

Das Vergeben von Baurecht in der Form wie wir es derzeit praktizieren kann nicht richtig sein, es sind kaum moralischen Pflichten daran geknüpft, z.B. die Verpflichtung zu Respekt und Rücksicht auf Nachbarschaften, ebenso wie das respektieren bereits vorhandener "Qualitäten". Regelungen sind nur sinnvoll solange Sie das Miteinander und dessen Qualität verbessern und nicht das Mittelmaß fördern. Obwohl auf Gerechtigkeit und Gleichheit abzielend, lenken die meisten Regeln die Entscheidungen und Kompromisse meist auf ein niedrigeres Niveaus als notwendig.

 

In der Menge der Regeln zeigt sich die Angst vor der Auseinandersetzung. Zu gerne flüchten wir statt dessen auf eine unpersönliche, juristisch formal geregelte Ebene. Vernünftiges, besonnenes Handeln und Spielräume auf zu zeigen ist deren eigentliche Aufgabe. Eine Orientierungshilfe sollten sie uns sein und das Lernen nicht unterbinden.

 

Die flexible, vitale und ökonomische Struktur einer Stadt zu sichern muss ein Hauptziel sein. Ohne ökonomische Ausgewogenheit wird es keine Zukunft für den Stadtorganismus geben, der ohnehin einem ständigen, eigendynamischen Prozess unterworfen ist.

 

Wir alle müssen daran arbeiten die Werkzeuge der Demokratie weiter zu entwickeln, weg von statischen hin zu offenen, transparenten Mitteln die sich den Veränderungen anpassen lassen.

 

Architektur als gebaute Nachbarschaft?

Diejenigen, die planen und damit über Qualitäten entscheiden, leben nicht selten in einer anderen, sehr theoretischen oder gar heilen Welt; ihr Handeln ist mehr bestimmt von Annahmen als von eigenen Erfahrungen oder gar Erkenntnissen aus der Zusammenarbeit mit den Benutzern. Allenthalben auftauchende Forderungen nach Schulung der Nutzer zeigen da auf ein Problem, welches sich die Beteiligten gegenseitig zuschieben.

 

Planer und Nutzer verwenden anscheinend ein unterschiedliches Vokabular. Sie verstehen sich nicht, oder harmloser formuliert, nicht gut genug. Betrachten wir die Masse unserer Wohnungen, dann wohnen wir alle demokratisch gleich gut oder gleich schlecht, mit teilweise kaum zumutbaren Wohnungseingängen, über unpersönliche, enge Treppenhäuser erreichbar, deren ausschließlicher Sinn auch die Erfüllung der Kehrwoche sein könnte.

 

Die Bedürfnisse der Menschen nach Phantasie, Geborgenheit und auch nach Gemütlichkeit werden von Planern allzu schnell als Kitsch abgetan und meist nicht mal versuchsweise erfüllt. Sinnliche Qualitäten sind jedoch ein wesentlicher Bestandteil guter Architektur, vor allem der verdichteten Stadtarchitektur. Überall dort wo die "Nahrung für die Sinne" fehlt, suchen die "Laien" Ersatz, in den Baumärkten und bei Möbelgiganten, die mit ihrem Zubehörhandel diese Lücke auf ihre Art schließen.

 

Weder alt noch neu sind Qualitäten an sich, es kommt auf die Bewertung des Einzelfalles an.

 

Sind wir eine Gesellschaft, die allzu schnell "Unehrliches" nachbaut, zum Wohle der Pseudo-Realität in einer irrealen Wirklichkeit? Aber nur die Wahrnehmung der Wirklichkeit lässt Kultur entstehen. Zeitidentische Architektur ist die Voraussetzung für eine integre Stadt, so wie wir sie heute in ihrer Qualität schätzen.

 

Ehrlichkeit müssen wir zulassen. Sie ist meist unbequem manchmal auch ätzend, dennoch ist sie die einzige Basis für richtiges Erkennen, richtiges Analysieren und damit für richtiges Handeln. Spontane Äußerungen mögen uns zwar ärgern aber sie zeichnen sich durch eine hohe Ehrlichkeit aus.

 

Empfindliche Reaktionen sind Indikatoren dafür das etwas im Argen liegt.

 

Simulation statt Intuition

Die Simulation ist die neue Form von zerstörungsfreier Prüfung neuer Ideen und Vorhaben, sie kostet nur Geld und bringt keine Langzeitschäden. Entdecken wir doch die Fehlplanung, als Hilfsmittel Fehler zu finden, und schätzen wir an einer verlorenen Planung, dass wir nicht an gebauter Qualität verloren haben.

 

Planspiele eignen sich besser unser Problembewusstsein zu schulen als oftmals mangelhaft vorbereitete Planungen, die dann noch den Anspruch einer relativen Endgültigkeit vermitteln. Nachvollziehbare Strukturen zu erarbeiten und weiter zu entwickeln, welche das dynamische Einbringen von neuen Erkenntnissen zulassen sind besser geeignet, als statische Festlegungen. Trans-parent aufgezeigt und jedem Bürger zugänglich gemacht, können so enorme Synergien und Vernetzungen entstehen.

 

Wir müssen uns bemühen die komplexen Wirkungsnetze zu erkennen, zu durchdenken; in dieser Art von Denken haben unsere Militärs schließlich Er-fahrung, lassen sie uns diesen Fundus doch mal positiv nutzen.

 

Mühe

Bemühen wir uns die zunehmenden Probleme in unserer Kommunikation zu erkennen und zu beheben, stärken wir unsere Sensibilität zur Kommunikation. Basis der guten Kommunikation ist die Berechenbarkeit unserer Kommunika-tionspartner. Diese entsteht durch ernsthaftes, ehrliches argumentieren und nicht durch taktieren.

 

"Es ist eben nicht so einfach", stöhnen die Beteiligten, als ob man sich nicht um eine gute Entwicklung bemühen müsste.

 

Ohne Mühe und Bemühen geht es nicht, diese einfache Erkenntnis gilt es zu verbreiten.

 

BauLust - Initiative für Architektur und Öffentlichkeit

 

Josef Reindl

Nürnberg, den 28.11.2005

Literaturhinweise

  • Der Laie und die Architektur, Max Frisch, 1955
  • Neuland des Denkens, Frederic Vester, DTV 1984
  • Leitmotiv vernetztes Denken, Frederic Vester, Heyne Verlag 1988
  • Die Logik des Misslingens - Strategisches Denken in komplexen Situationen, Dietrich Dörner, Rowohlt Verlag 1989