2 Geschichtliche Einordnung des Kettensteges in Nürnberg
Seilbrücken aus Bast, Bambus, Schilf oder Schlingpflanzen gab es in Asien seit ca.
2000, in Südamerika seit 1000 Jahren. Eiserne Ketten sollen vor 300 Jahren erstmals in China für Hängebrücken verwendet worden sein.
In Europa wird die Überbrückung von Flüssen und Schluchten mit Seilen oder Ketten seit etwa 400 Jahren in Büchern erörtert. Als ältester Kettensteg Europas gilt ein 1741 in England über den Fluß Tees gespannter Fußgängersteg von 21 m Länge, der nicht mehr existiert.
Die Geschichte der modernen stählernen Hängebrücken beginnt mit dem Amerikaner James Finley. Finley war Richter in Pennsylvania und baute seine erste Hängebrücke 1796 über den Jakobs Creek. Sie hatte 21,3 m Spannweite. 1801 erhielt er ein Patent für seine Hängebrückenkonstruktion, welches er 1810 in der New Yorker Zeitschrift „The Port Folio“ veröffentlichte. Die Bestandteile einer modernen Hängebrücke: Tragkabel, Hänger und Versteifungsträger sind in dieser Patentschrift angegeben.
Bis zu seinem Tod baute Finley mehrere Hängebrücken. Seine Bauwerke wurden alle beschädigt oder stürzten ein. Die letzte Finley-Brücke erlitt dieses Schicksal 1913.
Die erste öffentliche Kettenbrücke für Fuhrwerke in England ist die von Samuel Brown über den Fluß Tweed erbaute Union Bridge. Sie hat 120 m Spannweite und wurde 1820 eröffnet. Sie steht heute noch, jedoch wurden die Tragketten durch optisch auffällige Drahtseile entlastet.
In Wales sind zwei ebenfalls sehr alte Hängebrücken heute noch erhalten, zum Teil allerdings mehrfach umgebaut. Es sind dies die Menai Strait (Suspension) Bridge, eröffnet 1826. Im gleichen Jahr wurde auch die Conway Castle Bridge dem Verkehr übergeben. Beide Brücken wurden von dem berühmten Brückenbauer Thomas Telford (1757 bis 1834) gebaut, der auch der erste Präsident der „Institution of Civil Engineers“ war.
1827 wurde eine heute nicht mehr vorhandene Kettenbrücke mit 31 m Spannweite über den Fluß Malapane in Oberschlesien gebaut. Vor Inbetriebnahme trieb man als Belastungsprobe 75 Rinder über die Brücke.
Die Weiterentwicklung des Hängebrückenbaus ist durch die Verwendung von Drahtkabeln anstelle der Ketten geprägt. 1834 entstand die „Grand Pond Suspendu“ über das Saanetal in Freiburg, Schweiz mit der damaligen Rekordspannweite von 273 m.
Alle bekannten stählernen Hängebrücken des frühen 19. Jahrhunderts waren ebenso wie der Kettensteg schwingungsanfällig. Verschiedene Totalverluste waren zu beklagen, Umbauten und Nutzungseinschränkungen trugen den Schwingungsproblemen Rechnung.
Der Nürnberger Kettensteg ist als älteste erhaltene Hängebrücke Kontinentaleuropas ein bedeutendes Denkmal der Technikgeschichte.


